Nach der Einspeisevergütung werden Eigenverbrauch und Direktvermarktung immer interessanter

Die Einspeisevergütung unterliegt einer ständigen Degression, aktuell wurde für die Monate Mai bis Juli eine weitere monatliche Absenkung um 1,8 Prozent bekannt gegeben. Lange Zeit bestand kein Anlass dazu, sich über andere Optionen als die Einspeisung des selbst erzeugten Stroms Gedanken zu machen, da die Einspeisevergütung eine kaum zu überbietende Rendite garantierte. Das ändert sich nun, weswegen die Direktvermarktung und der Eigenverbrauch zunehmend attraktiver werden.

Eigenverbrauch als technische und organisatorische Herausforderung

Dass es sich finanziell lohnt, Solarstrom selbst zu verbrauchen, steht außer Zweifel. Aktuell liegt der Strompreis meist über 25 Cent pro Kilowattstunde, die erzielbaren Einsparungen sind also deutlich höher als die Einspeisevergütung. Nach wie vor erfordert der Eigenverbrauch jedoch einen gewissen Aufwand, da Solarstrom in privaten Haushalten überwiegend dann produziert wird, wenn er aktuell nicht benötigt wird. Erzeugt wird der Strom tagsüber, verbraucht wir der meiste Strom in den Abendstunden. Ein Ausweg besteht in Stromspeichern, die den Strom bis zur Verwendung zwischenspeichern können. Mit dem gerade aufgelegten Förderprogramm für solche Speicher wird diese Variante auch wirtschaftlich attraktiv. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, durch intelligentes Energiemanagement den Stromverbrauch zumindest teilweise in die Mittagsstunden zu verlagern. Diesbezügliche Ideen reichen von der Fernsteuerung der Waschmaschine bis zur Kombination der Photovoltaikanlage mit einer Wärmepumpe. Schließlich besteht auch noch die Möglichkeit, sich lokal mit anderen zusammen zu schließen. Wer seinen Strom mittags nicht selbst nutzen kann, findet vielleicht einen kleinen Gewerbebetrieb in unmittelbarer Nähe, der einen entsprechenden Strombedarf hat.

Direktvermarktung über das EEG

Es besteht auch die Möglichkeit, den Strom direkt an der Strombörse zu verkaufen. Über das EEG wird diese Direktvermarktung doppelt gefördert. Die Marktprämie sorgt dafür, dass im Durchschnitt derselbe Erlös erzielt wird wie über die Einspeisevergütung. Hinzu kommt die Managementprämie, mit der die Kosten der Direktvermarktung ausgeglichen werden. Wer diese Instrumente effektiv nutzt, kann die Einnahmen gegenüber denen aus der Einspeisevergütung steigern. Einige Dienstleister haben sich darauf spezialisiert, exakt dies für ihre Kunden zu tun.

Chancen für Systemanbieter

Wo ein Eigenverbrauch möglich ist, bietet sich Systemanbietern die Chance, eine in den USA bereits erfolgreich praktizierte Variante auch in Deutschland einzuführen. Diese Unternehmen errichten auf eigene Kosten Photovoltaikanlagen auf den Hausdächern der Kunden, die sich anschließend über die Stromeinsparungen selbst refinanzieren. Im Detail sind verschiedene Varianten denkbar. Möglich sind beispielsweise Leasingmodelle, in denen der Kunde die komplette Anlage least. In anderen Modellen wird der Anlagenbesitzer zum Stromlieferanten, der den Kunden direkt mit Strom vom eigenen Dach beliefert. Aktuell sind die Stromerzeugungskosten pro Kilowattstunde für Dachanlagen etwa 10 Cent niedriger als der Strompreis für private Verbraucher. Das genügt, um dieses Modell rentable zu machen.