Volker Quaschning plädiert dafür, mit Solarstrom zu heizen

Volker Quaschning ist Professor für regenerative Energien an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Im Interview mit dem Magazin photovoltaik plädiert Volker Quaschning dafür, den Strom aus Photovoltaik Anlagen auch zum Heizen zu nutzen.

Zu wenig Solarthermie!

So lautet das zentrale Argument, das Prof. Quaschning vorträgt. Er verweist darauf, dass im gesamten Jahr 2012 in Deutschland voraussichtlich nur knapp ein Gigawatt Leistung aus solarthermischen Anlagen zugebaut werden wird, während die Photovoltaik allein im Monat September diesen Zubau vorweisen kann. Um die Klimaziele zu erreichen, sei dieser schnelle Zubau erforderlich, auch in Zukunft müssten jährlich etwa acht Gigawatt zugebaut werden. Die Solarthermie müsse erst noch beweisen, dass sie ihr Zubautempo im erforderlichen Umfang steigern könne. Daher sei es logisch, auf die Photovoltaik zu setzen, die das bereits bewiesen habe.

Radikale Vorschläge

Im Allgemeinen wird Strom als Heizenergie nur unter speziellen Randbedingungen diskutiert. In Frankreich sind Stromheizungen weit verbreitet, um nachts genügend Abnehmer für den Strom aus den zahlreichen Kernkraftwerken zu haben. Diskutiert werden auch Infrarotheizungen, die allerdings nur wenige Befürworter finden. Schließlich bieten einige Hersteller auch Systeme an, in denen eine Wärmepumpe über eine Photovoltaik Anlage mit Strom versorgt wird. Insbesondere die Kombination mit einer Wärmepumpe hält auch Quaschning für sinnvoll, sieht aber aufgrund der hohen Kosten relativ wenig Chancen auf eine weite Verbreitung solcher Systeme. Entscheiden für den Markterfolg sei eine möglichst billige Anbindung der Photovoltaik an die Heizung. Daher plädiert Quaschning für eine Lösung, mit der sich ansonsten kaum jemand anfreunden kann: Heizstäbe im Wärmespeicher der Heizung, um diesen elektrisch zu beheizen.

Lobbyismus oder Wissenschaft?

Diese Frage muss erlaubt sein. Einige Argumente klingen doch eher nach Interessenvertretung für die Photovoltaik Branche als nach objektiver Analyse. Der rund zehnmal schnellere Ausbau der Photovoltaik gegenüber der Solarthermie ist eine Folge der deutlich höheren Förderung. Unbestritten ist, dass unter gleichen Förderbedingungen die einfachere und billigere Solarthermie in diesem Wettbewerb besser abschneiden würde. Wenig überzeugend wirkt es auch, wenn Quaschning die Ablehnung der Idee der elektrischen Beheizung des Heizkessels als mehr oder minder ideologisch motiviert erscheinen lassen möchte. Unbestreitbar ist, dass eine Photovoltaik Anlage in der Praxis kaum auf höhere Wirkungsgrade als etwa 15 Prozent kommt. Solarthermie Anlagen schaffen 40 bis 50 Prozent. Der deutlich schlechtere Wirkungsgrad der Photovoltaik wird nur in Kauf genommen, weil sie die Energie in der deutlich „höherwertigen“ Form von Strom liefert. Im Klartext: Wenn er nur ums Heizen geht, kostet eine Solarthermie Anlage rund die Hälfte und leistet bei gleicher Modulfläche deutlich mehr als das Doppelte. Solange dieses Argument nicht entkräftet wird, sind Plädoyers für die Photovoltaik als Heizungsunterstützung schwer nachvollziehbar.

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