Steigende Netzentgelte erhöhen die Strompreise

Erst vor wenigen Tagen ist eine deutliche Erhöhung der EEG-Umlage um knapp 50 Prozent bekannt gegeben worden. Jetzt haben die Netzbetreiber angekündigt, auch die Netzgebühren zu erhöhen. Damit wird sich der Strom nochmals durchschnittlich um etwa einen halben Cent pro Kilowattstunde verteuern.

Regionale Unterschiede

Während die EEG-Umlage bundesweit einheitlich festgelegt wird, bestehen bei den Netzentgelten regionale Unterschiede. Die Entgelte werden von den regionalen Netzbetreibern festgesetzt, unterliegen aber einer Regulierung. Allzu streng sind die Auflagen der Regulierung jedoch nicht, immerhin neun Prozent Rendite werden den Netzbetreibern gesetzlich zugestanden. Es kann regional zu deutlichen Abweichungen von der durchschnittlichen Erhöhung um ungefähr zehn Prozent kommen, vereinzelt sind sogar sinkende Netzentgelte möglich.

Vieles klingt vertraut

Die Diskussion um die steigenden Netzentgelte weist eine frappierende Ähnlichkeit mit der Diskussion um die steigende EEG-Umlage auf. Verwiesen wird zunächst auf den raschen Ausbau der erneuerbaren Energien, der den Netzbetreibern einige Investitionen abverlangt. Das ist nicht abzustreiten, jedoch mischt auch bei diese Erhöhung der Gesetzgeber gehörig mit. Zunächst ist die den Netzbetreibern garantierte Rendite sehr hoch bemessen. Immerhin handelt es sich um ein weitgehend risikoloses Geschäftsfeld, für das sich eigentlich auch bei geringerer Rendite Interessenten finden lassen sollten. Hinzu kommt, dass energieintensive Unternehmen auch bei den Netzentgelten privilegiert werden. Wie bei der EEG-Umlage werden deren Kosten auch hier auf die Allgemeinheit umgelegt. Zu allem Überfluss werden die Netzbetreiber auch noch weitgehend von der Haftung befreit, wenn sie einen offshore Windpark nicht fristgemäß ans Netz anschließen. Es bedarf keiner übermäßigen Phantasie, um zu erraten, wo diese Kosten landen: Immerhin 0,25 Cent pro Kilowattstunde müssen die Stromkunden dafür zahlen. Die politische Diskussion verläuft daher entlang ähnlicher Fronten wie im Fall der EEG-Umlage. Die Opposition kritisiert, dass die Erhöhung der Netzentgelte weit höher ausfällt, als es der bloße Ausbau der erneuerbaren Energien erforderlich macht. Lediglich bei der FDP sind leichte Nuancen zu erkennen. So sehr sie sich über die Renditen echauffiert, die Besitzern von Photovoltaik Anlagen über die Einspeisevergütung garantiert werden, so schweigend nimmt sie die hohen gesetzlich garantierten Renditen der Netzbetreiber zur Kenntnis.

Oft muss es nicht teurer werden

Werden die erhöhte EEG-Umlage und die steigenden Netzentgelte eins zu eins an den Verbraucher weitergereicht, muss ein Durchschnittshaushalt mit jährlichen Mehrkosten von etwa 100 Euro rechnen. Eine erhöhte Bereitschaft der Kunden, den Stromanbieter zu wechseln, könnte das teilweise verhindern. Die vier großen Stromkonzerne verzeichnen hohe Gewinne, sie sind nicht gezwungen, die steigenden Kosten voll auf die Kunden umzulegen. Selbst wenn sie es tun, können Kunden der Grundversorger durch einen Wechsel oft mehr als die anstehende Erhöhung des Strompreises sparen.