Regenerative Energien - Deutschland profitiert doppelt

Der Bundesverband der Solarwirtschaft (BSW-Solar) nimmt die Hannover Messe zum Anlass, nochmals auf die positiven Effekte der erneuerbaren Energien für die deutsche Volkswirtschaft hinzuweisen. Die deutsche Industrie profitiere gleich doppelt vom Zubau regenerativer Energien, weil einerseits viele Aufträge aus diesem Bereich kommen und andererseits insbesondere der Solarstrom zur Senkung der Stromkosten beitrage.

Unstrittig ist, dass die regenerativen Energien auch im Bereich der Zulieferindustrie zahlreiche Arbeitsplätze sichern. Diese erweisen sich in der gegenwärtigen Krise der Branche sogar als besonders sicher, weil wenig Konkurrenzdruck durch internationale Billiganbieter besteht. Deutlich komplexer gestaltet sich die Diskussion der sinkenden Stromkosten aufgrund des Stroms aus Photovoltaik Anlagen.

Solarstrom deckt Lastspitzen ab

Der Effekt, auf den der BSW-Solar hinweist, ist schnell beschrieben. Der Stromverbrauch ist in den Mittagsstunden besonders hoch, deswegen sind die Strompreise an der Strombörse zu dieser Zeit ebenfalls besonders hoch. Weil Solaranlagen genau zu dieser Tageszeit ihr Leistungsmaximum erreichen, tragen sie maßgeblich zur Entschärfung der Lastspitze am Mittag bei. Sie verdrängen dann die teuersten Kraftwerke, in der Regel Steinkohlekraftwerke. Damit sinkt der Strompreis, den Großhändler an der Leipziger Strombörse für Strom bezahlen müssen. Energieintensive Unternehmen profitieren von dieser Preissenkung unmittelbar.

Energieintensive Unternehmen sind von den Kosten befreit

So weit ist gegen die Argumentation des BSW-Solar wenig einzuwenden, der preissenkende Effekt des Solarstroms zur Mittagszeit ist zweifelsfrei nachgewiesen. Große Stromkonzerne haben auf ihren Bilanzpressekonferenzen diesen Effekt sogar als wesentlichen Grund für Gewinnrückgänge identifiziert. Allerdings wird der preissenkende Effekt der Photovoltaik durch Subventionen in Milliardenhöhe erkauft, die letztlich auch zu den Stromkosten beitragen. Die wichtigste Komponente der Finanzierung der staatlichen Solarförderung ist die EEG-Umlage, die in Form eines Aufschlags auf den Strompreis erhoben wird. Gegenwärtig beträgt die EEG-Umlage knapp 3,6 Cent pro Kilowattstunde. Der BSW-Solar weist in seiner Meldung darauf hin, dass energieintensive Unternehmen von dieser Umlage teilweise oder sogar vollständig befreit sind.

Wer trägt die Kosten?

Wenn energieintensive Unternehmen von der Finanzierung des Solarstroms befreit sind, müssen die Kosten offenbar von anderen getragen werden. Vordergründig sind das alle Stromkunden, die nicht von der EEG-Umlage befreit sind. Für diese Kunden steigt die Umlage infolge der Befreiung der Großkunden. Bei anderen Kostenbestandteilen ist noch nicht klar, wer sie letztlich zu tragen haben wird. Der durch die Energiewende erforderlich gewordene Netzausbau verursacht erhebliche Kosten, über deren Aufteilung noch nicht abschließend entschieden wurde. Auch die Kraftwerksbetreiber werden irgendwann die Kosten in Rechnung stellen, die ihnen dadurch entstehen, dass sie permanent Standby-Kapazitäten bereithalten müssen, um Leistungsschwankungen der Solarenergie auszugleichen.