Photovoltaik wird durch den Preisverfall für RWE interessanter

Beim Stromriesen RWE deutet sich ein Strategiewechsel in Richtung der Photovoltaik an. Im Juli steht an der Spitze des Konzerns ein Wechsel an, Konzernchef Peter Großmann wird seinen Stuhl für den Nachfolger Peter Terium räumen. Das gibt dem Konzern die Möglichkeit zur Neuausrichtung in Sachen Photovoltaik. Großmann hatte sich als Gegner der Solarenergie derart exponiert, dass eine Neuausrichtung wohl nur in Verbindung mit einem Wechsel an der Spitze des Konzerns möglich ist.

Großprojekte in sonnenreichen Regionen

Als zentrales Argument für den geplanten Kurswechsel führt Terium den massiven Preisverfall für Photovoltaik Module an. Dadurch lasse sich Solarstrom zu wirtschaftlich vernünftigen Bedingungen erzeugen. Dabei denkt er offenbar allerdings nicht an einen weiteren Zubau von kleineren und mittleren Anlagen in Deutschland, sondern an Großprojekte in Afrika und anderen klimatisch geeigneten Regionen. Den Anfang soll ein bereits in der Planung befindliches Projekt in Marokko machen, wo eine 100-Megawatt-Anlage entstehen soll, in der Windkraft und Solarenergie kombiniert werden. Die Gesamtkosten des Projekts werden sich vermutlich auf 120 – 150 Millionen Euro belaufen, die RWE jedoch nicht allein schultern möchte. Gegenwärtig befindet sich der Konzern auf der Suche nach Partnern, am Interessenten scheint dabei kein Mangel zu herrschen.

In Deutschland setzt RWE auf Windenergie

Rhetorisch rüstet der designierte Chef im Vergleich zu Großmann deutlich ab. Dieser hatte die Förderung der Photovoltaik in Deutschland als „massive Geldverschwendung“ bezeichnet, die ungefähr so sinnvoll sei wie „Ananas züchten in Alaska“. Allerdings setzt auch Terium im Inland eher auf Windenergie als auf Solarstrom. Großmann hatte bereits betont, dass Photovoltaik Anlagen im Jahr 900 Stunden Strom liefern, Windkraftanlagen an Land 2000 Stunden und Windräder auf See 3500 Stunden. Auch unter neuer Führung wird RWE daher bei der Energiewende in Deutschland primär auf offshore Windparks setzen, aber immerhin in Südeuropa wird die Photovoltaik jetzt als sinnvolle Ergänzung erachtet.

Eine strategische Frage

Den unterschiedlichen Einschätzungen über Sinn und Unsinn der Photovoltaik Förderung in Deutschland liegen keine Differenzen in der technischen Bewertung zugrunde, sondern unterschiedliche Strategien beim Umbau der Stromversorgung. RWE setzt weiterhin auf eine Stromversorgung durch zentrale Großkraftwerke, das ist das Kerngeschäft des Konzerns. Wind- und Solarstrom soll ebenfalls primär in Großanlagen produziert werden, für die europa- oder sogar weltweit die klimatisch am besten geeigneten Standorte gefunden werden sollen. Die im EEG angelegte Strategie setzt langfristig eher auf eine dezentrale Stromerzeugung direkt beim Verbraucher. Wenn ein Unternehmen oder ein Privathaushalt mittels Solarstrom den Eigenbedarf decken kann, genügt das. Ob dieselbe Solaranlage in Spanien oder Nordafrika mehr Strom produzieren könnte, spielt in dieser Überlegung keine Rolle.