Photovoltaik Rekord in Deutschland?

Alle Jahre wieder! Wenn das Wetter Deutschland die ersten Sommertage beschert, lassen Meldungen über Rekorde der Photovoltaik nicht lange auf sich warten. Weil jährlich mehrere Gigawatt neu ans Netz gehen, ist die Gesamtleistung der Photovoltaik stets höher als im Vorjahr – noch gehen im Gegenzug nur sehr wenige Altanlagen vom Netz. In diesem Jahr war es am 20. Mai so weit, mit 26 Gigawatt wurde ein neuer Leistungsrekord der Photovoltaik in Deutschland aufgestellt. Oder auch nicht – mehr dazu weiter unten.

Der 20. Mai war ein Werktag, weswegen der Stromverbrauch recht hoch war und sogar die angeblichen 26 Gigawatt diesen Bedarf nur zu rund 40 Prozent deckten. Aber der erste Sonn- oder Feiertag des Jahres 2014 mit sommerlichem Wetter lässt bestimmt nicht lange auf sich warten. Die nächste Rekordmeldung wird also lauten, dass der Anteil der Photovoltaik am gesamten Stromverbrauch einen neuen Rekordwert erreicht hat. Auch das gehört mittlerweile zum jährlichen Ritual. Es erinnert ein wenig an die in fast jedem Jahr auftauchende Meldung, dass der Staat so viel Steuern einnimmt wie nie zuvor. Solange die Wachstumsraten – wenn auch auf bescheidenem Niveau – positiv bleiben, werden uns auch diese Rekordmeldungen erhalten bleiben.

Zweifelhafte Nachrichtenquelle

Letztlich dienen diese ritualisierten Rekordmeldungen lediglich als Aufhänger, um Aufmerksamkeit für eine Pressemitteilung zu gewinnen, in der es in Wahrheit um ein anderes Thema geht. In diesem Jahr wird die Gelegenheit genutzt, um die Kritik an der jüngsten Reform des EEG erneut in den Medien zu lancieren. Das allerdings hat in den letzten Jahren besser geklappt! Die entsprechende Mitteilung des „FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V.“ (Link) liest sich deutlich weniger professionell, als die üblichen Pressemitteilungen des Bundesverbands Solarenergie. Im Wesentlichen besteht sie aus einer recht planlosen Aneinanderreihung von Vorwürfen gegen so ziemlich alles und jeden. Der wenig professionelle Eindruck wird dadurch verstärkt, dass die Rekordmeldung selbst falsch zu sein scheint. Sie basiert auf einer Hochrechnung der Daten von SMA, einem großen Hersteller von Wechselrichtern, wie der Herausgeber der Meldung auf Rückfrage bestätigen musste. Diese Daten umfassen rund 13 Prozent der deutschen Photovoltaikanlagen, die angeblichen 26 Gigawatt wurden auf Grundlage dieser Stichprobe hochgerechnet. Das wäre dann nachvollziehbar, wenn keine exakten Daten vorlägen. Diese liegen aber vor, die Betreiber der Übertragungsnetze melden für den 20. Mai eine Gesamtleistung von 23,5 Gigawatt an Solarstrom. Dies ist ein sehr hoher Wert, aber eben kein Rekord. Bereits am 17. April 2014 wurden kurzzeitig mehr als 24,2 Gigawatt erreicht.

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