Österreichs erster Solarlift

Sessellifte mit Solarkraft betreiben? Eigentlich ein logischer Schritt - um so überraschender, dass der in dieser Wintersaison im Vorarlberger Skisportgebiet Golm in Betrieb genommene Solar-Sessellift weltweit der erste seiner Art ist. Das Besondere daran: Er spart nicht nur ein Drittel des Stromverbrauchs ein, sondern verfügt auch über eigens entwickelte, gebogene Solarmodule, die sich nahtlos in das bereits vorhandene Anlagendesign integrieren. Hauptteil

Solarbetriebene Weltneuheit - eine Kooperationsentwicklung

Entwickelt wurde der einzigartige Sessellift vom regionalen Anbieter Illwerke Tourismus, dem Sessellift-Weltmarktführer Doppelmayr und dem Photovoltaik Hersteller Königsolar in Kooperation. Inzwischen ist der einwöchige Probebetrieb der vollständig neu gebauten, koppelbaren Hüttenkopfbahn erfolgreich abgeschlossen. Die Besucher dürfen sich in Zukunft statt der bisherigen Zweiersessel-Bahn auf eine komfortable 6er-Sesselbahn mit Sitzheizung, Wetterschutzhauben und bewährter Kindersicherung freuen. Dabei sind die verwendeten Photovoltaik Module sowohl an der Talstation, der Bergstation und dem Sesselbahnhof im Betrieb.

Gebogene Solarmodule werden nahtlos integriert

Die besondere Herausforderung beim Anlagenbau lag neben der Sicherheit in der technischen Anforderung, die Solarmodule den bereits vorhandenen Standardstationsbauten anzupassen. Marktübliche Photovoltaik Module sind plan, da dies die effizienteste Verarbeitungsweise der spröden Siliziumzellen ist. Für die Konstruktion des Sessellifts gelang es den Kooperationspartnern nun, hauchdünne, biegbare polykristalline Siliziumwafer herzustellen. Diese lassen sich mit den bereits vorhandenen, gebogenen Glasscheiben verbinden und so komplett in die bestehende Fassade integrieren. Damit ist ihnen eine echte Weltneuheit gelungen.

Ökologisch wie ökonomisch eine rentable Investition

Der zusätzliche ökonomische Vorteil: Polykristalline Siliziumwafer besitzen kurze Energierücklaufzeiten. Das bedeutet im Klartext, es wird nicht nur im Betrieb an herkömmlichen Strom gespart, die Energieinvestition in die Module selbst rentiert sich auch in einem überschaubaren Zeitrahmen. Begonnen wurde mit den Bauarbeiten Anfang Juli diesen Jahres. Entstanden sind in diesem Monaten autarke Solarenergieeinheiten: Die aus der Sonne gewonnene Energie wird innerhalb der Anlage in Strom ungewandelt und steht ihr unmittelbar zum Verbrauch zur Verfügung. So deckt der Sessellift seinen eigenen Gesamtstrombedarf zu einem Drittel. Grundsätzlich könnte mit demselben Prinzip sogar bis zu 50% der Energie eingespart werden.

Technische Details mit Aha-Effekt

Zusammengenommen betragen die in den verschiedenen Liftstationen verbauten Module eine Gesamtfläche von 312 m². Diese können jährlich 60.000 Kilowattstunden produzieren, dem Äquivalent des Jahresverbrauches von etwa 15 Einfamilienhäusern. Bei angenommenen 1.000 Betriebsstunden übernimmt der Solarstrom so ein Drittel der von der Anlage im Jahr benötigten 180.000 Kilowattstunden übernommen. Damit hat die Sesselbahn eine Transportkapazität von stündlich 1.800 Personen. Dass der Solar-Sessellift in Golm eine Weltneuheit ist, zeigt wieder einmal, wie viel Solarkraftpotenzial in autarken Anlagen steckt - und wie Kreativität zusammen mit regionalem Entwicklungswillen und technischem Know-how zu ökologisch wie ökonomisch zukunftsweisenden Lösungen finden kann. Gerade in Skigebieten, deren Umweltbilanz oft zuungunsten der Nutzer ausfällt, ist ein derartiger Einsatz regenerativer Energie ein ermutigendes Beispiel für selbstversorgende Systeme.