Niedrige Strompreise: Eon schließt Gaskraftwerke

Drei süddeutsche Gaskraftwerke werden infolge des rasanten Ausbaus der Photovoltaik vom Netz gehen, das teilte der Energieversorger Eon jetzt mit. Aufgrund des ständig wachsenden Anteils der Photovoltaik an der Stromerzeugung seien die Stillstandszeiten der Kraftwerke mittlerweile für einen wirtschaftlichen Betrieb zu hoch. Was sich auf den ersten Blick nach einer plausiblen Erklärung anhört, erweist sich jedoch bei näherem Hinsehen auch als ein medienwirksames Manöver, um sich ein größeres Stück vom Kuchen namens EEG-Umlage zu sichern.

Die Fakten

Einiges an der Erklärung des Energiekonzerns ist ohne jeden Zweifel richtig. Aufgrund der vorrangigen Einspeisung des Solarstroms müssen Gaskraftwerke immer öfter mit verminderter Leistung arbeiten oder sogar ganz vom Netz genommen werden. Das gilt auch für die drei Blöcke, die jetzt stillgelegt werden sollen. Betroffen sind die Kraftwerke Irsching 3, Franken 1 sowie Staudinger 4, die eine Gesamtleistung von 1420 Megawatt aufweisen. So wurde beispielsweise der Block Staudinger 4 im Jahr 2011 nur noch 65 Stunden unter Volllast betrieben, im Jahr zuvor waren es noch 501 Stunden. Die Zahlen der anderen Gaskraftwerke sehen ähnlich aus. Da die Photovoltaik darüber hinaus die Börsenpreise für Strom deutlich senkt, ist mit dieser geringen Auslastung kein wirtschaftlicher Betrieb möglich. Nach Angaben von Eon übersteigt der Erlös aus dem Stromverkauf die Brennstoffkosten nur noch um zwei Euro pro Megawattstunde. Damit sei der Betrieb der Kraftwerke nicht zu finanzieren.

Die nicht erwähnten Fakten

Damit soll der Betrieb der Kraftwerke auch überhaupt nicht finanziert werden, zumindest nicht ausschließlich! Gaskraftwerke sind als Ersatzkapazität technisch besonders gut geeignet, weil sie schnell vom Netz genommen und ebenso schnell wieder hochgefahren werden können. Die Bereitstellung der Reservekapazitäten wird von den Netzbetreibern über individuelle Verträge honoriert. Eon und andere Energieversorger befinden sich also in der merkwürdigen Lage, durch ihre Gaskraftwerke die Energiewende erst zu ermöglichen, die sie eigentlich lieber verhindern oder zumindest verzögern würden.

Interessante Argumentation

Schon im letzten Jahr hat Eon mit den drei jetzt in der Diskussion befindlichen Kraftwerken daher ein mehr als merkwürdiges Manöver durchgeführt: Im Dezember fiel der Block C des Kernkraftwerks Grundremmingen mit einer Leistung von mehr als 1300 Megawatt kurzfristig für zwei Tage aus. Statt die als Ersatz ganz in der Nähe bereitstehenden Gaskraftwerke zuzuschalten, wurde unter großer Medienbeteiligung ein uraltes Ölkraftwerk bei Graz in Österreich hochgefahren. In den Pressemitteilungen war von dem ausgefallenen Kernkraftwerk keine Rede, sondern von instabilen Netzen infolge der Energiewende und von einem Blackout, der nur mit Hilfe aus Österreich knapp verhindert werden konnte. Es verwundert nicht, dass Eon anbietet, die jetzt abgeschalteten Gaskraftwerke als Notreserve für den Winter betriebsbereit zu halten. Schließlich hat man einige Mühe drauf verwandt, die Öffentlichkeit zu überzeugen, diese noble Tat angemessen zu honorieren.