Nachrüstungspflicht zur Fernsteuerung des Wechselrichters für Kleinanlagen erst bis zum Jahresende

Gemäß der neuesten EEG Novelle sind grundsätzlich auch Betreiber kleiner Photovoltaik Anlagen mit einer Leistung von bis zu 30 Kilowatt verpflichtet, dem Netzbetreiber eine Fernsteuerung des Wechselrichters zu ermöglichen. Alternativ dazu kann die Einspeisung dauerhaft auf 70 Prozent der Nennleistung der Anlage gedrosselt werden. Dabei wird die Ansicht vertreten, dass bestehende Anlagen erst zum Ende des Jahres nachgerüstet werden müssen. Wer sich für die Drosselung der Leistung auf 70 Prozent entschieden hat, könne die Anlage demnach wieder auf 100 Prozent hochfahren, zumindest bis zum Ende des Jahres. Dabei bezieht sich diese Ansicht auf ein bereits beschlossenes, aber noch nicht veröffentlichtes Gesetz.

Verbraucherzentrale kritisiert die Einbeziehung von Kleinanlagen

Unabhängig von dem möglichen Aufschub bis Jahresende kritisiert die Verbraucherzentrale NRW die Einbeziehung von Kleinanlagen in die Nachrüstung, insbesondere von privaten Photovoltaik Anlagen mit einer Leistung von bis zu zehn Kilowatt. Der Aufwand steht hier in keinem vernünftigen Verhältnis zu Nutzen, und zwar auf beiden Seiten. Der Anlagenbetreiber muss auf eigene Kosten nachrüsten, obwohl mehr als fraglich ist, ob der Netzbetreiber von der Möglichkeit der Abschaltung jemals Gebrauch machen wird. Das kann er erst tun, wenn die Abschaltung größerer Anlagen nicht ausreicht, um die eingespeiste Leistung stark genug zu drosseln. Da bedeutet, dass eine Abschaltung eigentlich erst denkbar ist, wenn der gesamte Strom aus Photovoltaik Anlagen überflüssig ist. Selbst dann wird der Netzbetreiber diese Möglichkeit nur ungern nutzen, da die Abschaltung einen erheblichen Abrechnungsaufwand nach sich zieht.

Planlos in Berlin?

Die Bundesregierung hat ihre Rechtsauffassung in einem Anwendungshinweis erläutert. In diesem Dokument wird auch diskutiert, unter welchen Umständen eine unterlassene Nachrüstung dazu führt, dass der Anspruch auf die Vergütung des Stroms erlischt. Kritisch ist insbesondere der Fall, in dem eine Nachrüstung noch nicht möglich ist, weil der Netzbetreiber dem Anlagenbetreiber die notwendigen Informationen über das verwendete Steuersignal noch nicht geben kann – auch die Netzbetreiber sind nicht auf eine Regelung zahlreicher Kleinanlagen vorbereitet. Zwar muss der Anlagenbetreiber in diesem Fall keine Einstellung der Zahlungen fürchten, aber es lauern Fallstricke: Erstens muss der Anlagenbetreiber aktiv nachfragen, wie es der Netzbetreiber denn gerne hätte. Das mag noch angehen, aber die zweite Bedingung mutet kurios an: Der Anlagenbetreiber muss die Nachrüstung in jedem Fall soweit durchführen, wie es ohne Informationen des Netzbetreibers möglich ist. Das bedeutet, er muss einen regelbaren Wechselrichter in jedem Fall installieren. Und dann geduldig warten, ob der Netzbetreiber einen solchen wirklich fordert. Das muss dieser nur tun, wenn er es für notwendig hält.