„LeihDeinerUmweltGeld“ startet Beteilungsangebot für Photovoltaikanlagen

Ein weiteres Crowdsourcing Projekt ist in Liebenthal (Brandenburg) gestartet worden. Dort soll eine große Photovoltaikanlage teilweise durch Bürgerkredite finanziert werden. Initiator dieser „LeihDeinerUmweltGeld“ Initiative ist das Mainzer Unternehmen „LeihDeinerStadtGeld“, das bereits andere Bürgerbeteiligungsprojekte realisiert hat.

Details zum Projekt

In Liebenthal wird eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 3,26 Megawatt errichtet. Die erforderliche Fläche mit einer Größe von fünf Hektar gehörte ursprünglich zu einem größeren Gewerbepark, allerdings wurden für dieses Teilstück keine Interessenten gefunden. Die Fläche wurde daraufhin zur Nutzung durch die Photovoltaik freigegeben. Wenngleich es also hier nie etwas anderes als eine grüne Wiese gab, handelt es sich trotzdem um eine Konversionsfläche, weil diese Fläche zuvor als Gewerbefläche ausgewiesen wurde. Diese grüne Wiese soll übrigens bei dem Projekt erhalten bleiben, nur ein Prozent der Fläche muss versiegelt werden. Die gesamte Investitionssumme beläuft sich auf über 4,2 Millionen Euro, von denen knapp 644.000 Euro über direkte Bürgerkredite aufgebracht werden sollen. Rein rechnerisch gehören den Privatinvestoren damit rund 413 Kilowatt der insgesamt 3,26 Megawatt Anlagenleistung. Insgesamt besteht die Anlage aus 13.566 Modulen des Herstellers SunOwe Zheijang Sunflower Light Energy Science & Technology Ltd.

Die Konditionen

Der Mindestanlagebetrag beträgt 100 Euro, ansonsten kann jeder durch 50 teilbare Betrag investiert werden. Als Kreditlaufzeit können 5, 10 oder 15 Jahre gewählt werden. Die jährliche Verzinsung beträgt fünf Prozent und wird über die gesamte Laufzeit festgeschrieben. Die Zinsen werden jährlich ausbezahlt, der Kreditbetrag am Ende der Laufzeit zurückbezahlt (endfälliges Darlehen). Bei den Bürgerkrediten handelt es sich um nachrangige Darlehen. Sollte der Betreiber während der Kreditlaufzeit Insolvenz anmelden müssen, werden Forderungen der privaten Darlehensgeber also erst bedient, wenn alle übrigen Gläubiger vollständig ausbezahlt wurden.

Bürgerdarlehen sind keine neue Idee

Die Plattform „LeihDeinerStadtGeld“ nutzt das Crowdsourcing zur Finanzierung unterschiedlicher Projekte, von der Renovierung einer Feuerwache bis zur Modernisierung der Straßenbeleuchtung. Dabei nutzt das Unternehmen eine Marktlücke, die sich in den letzten Jahren aufgetan hat. Bis vor einigen Jahren bestand kein Bedarf nach einer solchen Dienstleistung, da Kommunen auf ausgeschriebene Kredite zahlreiche günstige Bankangebote erhielten. Inzwischen haben die Banken die Einstufung der Bonität der Kommunen deutlich herabgesetzt. Der erhöhte Prüfaufwand führt dazu, dass kleinere Darlehen von deutlich unter einer Millionen Euro für Banken nicht mehr interessant sind und die Angebote folglich ausbleiben. Als erste Gemeinde hat daher Quickborn vor einigen Jahren begonnen, selbst direkte Bürgerdarlehen einzuwerben. Dieses Projekt wurde von der Finanzaufsicht BaFin gestoppt, die darin ein für Kommunen unzulässiges Kreditgeschäft sah. Versuche, dies durch die Einschaltung einer Bank zu umgehen, scheiterten am Verwaltungsaufwand. In diese Lücke stieß „LeihDeinerStadtGeld“. Der formale Ablauf ist dieser: Das Unternehmen zahlt die eingesammelten Gelder auf ein Sperrkonto bei einer Bank ein. Diese Bank vergibt den Kredit und verkauft die Forderungen an die Bürger.