Kappung oder Einspeisemanagement?

Der Ausbau der Stromnetze geht nur langsam voran. Möglicherweise zu langsam, um mit der steigenden Stromproduktion von Photovoltaikanlagen und anderen dezentralen Stromerzeugern mitzuhalten. Aus diesem Grund müssen alle seit Anfang 2012 in Betrieb genommenen Anlagen dem Netzbetreiber die Möglichkeit geben, die eingespeiste Leistung per Fernsteuerung zu reduzieren. Besteht diese Möglichkeit nicht, muss die Leistung pauschal um 30 Prozent abgesenkt werden. Für große Anlagen ist diese Maßnahme weitgehend unumstritten. Dass aber auch Kleinanlagen bis 10 Kilowatt davon betroffen sind, wird insbesondere von Verbraucherschutzzentralen in deutlichen Worten kritisiert.

Eine Kappung kann die bessere Wahl sein

Ob es eine wirkliche Einschränkung darstellt, nur 70 Prozent der Nennleistung einspeisen zu können, hängt vom konkreten Einzelfall ab. Wenn die Ausrichtung des Daches nicht optimal ist oder die Leistung durch Schattenwurf reduziert wird, kann die Kappung die einfachere und billigere Alternative sein. Gleiches gilt, wenn ein relativ hoher Photovoltaik Eigenverbrauch möglich ist.

Beim Einspeisemanagement nicht blind dem Netzbetreiber vertrauen

Netzbetreiber sind nicht am Anschluss weiterer Kleinanlagen interessiert und daher wenig motiviert, die wirtschaftlichsten Verfahren zu empfehlen. Sollte der eine oder andere Hausbesitzer von der geplanten Photovoltaikanlage wegen der Kosten für das Einspeisemanagement Abstand nehmen, käme ihnen das nicht ungelegen. Statt auf eine Lösung des Betreibers zu setzen, sollte dieser daher lediglich aufgefordert werden, die technischen Spezifikationen seiner Fernsteuerung mitzuteilen. Ein Musterschreiben stellt die Verbraucherzentrale NRW zur Verfügung (PDF). Der Netzbetreiber ist zu dieser Auskunft verpflichtet. Anhand dieser Angaben kann ein Fachbetrieb die Kosten der Maßnahme abschätzen. Erweist sich das Einspeisemanagement als die wirtschaftlichere Lösung, muss nach dessen Installation der Netzbetreiber darüber informiert werden, dass alle technischen Voraussetzungen erfüllt sind. Im Regelfall wird das der Installationsbetrieb übernehmen.

Ist ein Ausschalter für Kleinanlagen technisch wirklich erforderlich?

Ein Szenario, in dem ein Netzbetreiber den Ausschalter für Kleinanlagen tatsächlich nutzt, ist nur schwer vorstellbar. Kleinanlagen dürfen erst ausgeschaltet werden, wenn das Herunterfahren sämtlicher Großanlagen nicht ausgereicht hat, um das Netz zu stabilisieren. Ein sehr unwahrscheinliches Szenario, für das überdies noch die technischen Voraussetzungen fehlen. Zusätzlich weisen Experten darauf hin, dass das Entschädigungsverfahren für entgangene Einnahmen bei einer Abschaltung derart aufwändig und personalintensiv ist, dass die Netzbetreiber schon aus diesem Grund kaum von dieser Möglichkeit Gebrauch machen werden. Dennoch genügt einigen Netzbetreibern der Abschaltknopf nicht, sie fordern in ihrem Bereich eine aufwändige und teure Leistungssteuerung, die eigentlich nur für Großanlagen vorgesehen ist. Grob geschätzt bedeutet das Kosten von 2.000 statt 200 Euro. Eine Begründung für diese Forderung bleiben sie schuldig, trotz des gesetzlich verankerten Schikaneverbots. Mangels klarer Regelungen bleibt in solchen Fällen nur die Möglichkeit, die Bundesnetzagentur einzuschalten.

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