Erneuerbare Energien sind Privatsache

Die vier Energieriesen wurden von der Energiewende infolge der Reaktorkatastrophe in Japan auf dem falschen Fuß erwischt. Ihr Engagement in erneuerbare Energien hatte bislang eher symbolischen Charakter. Kein Wunder, schließlich eröffnete ihnen die Laufzeitverlängerung ihrer Kernkraftwerke die Perspektive, die Grundlast im deutschen Stromnetz ohne größere Investitionen noch für lange Zeit bereitzustellen. Nach dem abrupten Schwenk der Politik in Richtung erneuerbare Energien finden sich RWE, Vattenfall, EnBW und Eon plötzlich auf einem Markt wieder, auf dem sie sich ungewohnter Konkurrenz gegenüber sehen: Privatpersonen dominieren bislang diesen Markt!

Breit gestreute Besitzerstruktur

Insbesondere aufgrund des Siegeszugs der Photovoltaikanlagen, die problemlos auch auf den Dächern von Einfamilienhäusern installiert werden können, verfügten Privathaushalte 2010 über nahezu 40 Prozent der installierten Leistung aus erneuerbaren Energien. Die Förderung solcher privaten Anlagen durch die Einspeisevergütung hat zur Verbreitung erheblich beigetragen. Diese Förderung garantiert eine derart hohe Investitionssicherheit, dass Banken private Solaranlagen häufig ohne Eigenkapital und ohne Grundbucheintragung finanzieren – eine Abtretung der künftigen Vergütung für eingespeisten Strom genügt oft als Sicherheit. Es überrascht nicht, dass viele Hausbesitzer diese Chance nutzten. Die gesamte private Stromerzeugung bringt es damit auf eine Leistung von 53 Gigawatt, wozu allerdings auch Windräder und Biomasseanlagen beitragen. Verglichen damit nehmen sich die sechs Prozent Leistung aus erneuerbaren Energien, die von den vier großen Energiekonzernen beigesteuert werden, eher bescheiden aus. Der Rest der Anlagen befindet sich im Besitz von kleineren Betrieben – beispielsweise landwirtschaftlichen Unternehmen – oder Finanzinvestoren.

Finanzinvestoren als mächtige Konkurrenz der Energiekonzerne

Aufgrund der Finanzkrise sind Banken und andere Finanzinvestoren gegenwärtig auf der Suche nach sicheren Investments. Was für den Besitzer einer privaten Photovoltaikanlage gilt, gilt auch für sie: Einnahmen sind langfristig garantiert. Nicht umsonst stiegen im vergangenen Jahr Branchenriesen wie Blackstone mit Milliardenbeträgen in den Markt für offshore Windparks ein. Allerdings zeichnet sich auch hier ab, dass eine hohe staatliche Förderung bisweilen merkwürdige Ideen hervorbringt. So plant Juwi solar, ein auf erneuerbare Energien spezialisiertes Unternehmen, die Errichtung eines offshore Solarparks. Zwar stehen an Land genügend Flächen für Solarparks zur Verfügung, aber die Förderung ist bei offshore Anlagen rund doppelt so hoch. Juwi solar Geschäftsführer Falck macht aus den Absichten keinen Hehl: "Man wisse zwar nicht, wofür man solche Anlagen brauche, aber finanziell lohne es sich allemal" (Siehe www.solarserver.de).

Energieversorger setzen auf Windkraft

Schwerpunkt der Investitionen der Energiekonzerne werden offshore Windparks sein. Allerdings wächst der Bedarf infolge der Abschaltung der alten Kraftwerke so schnell, dass die vier Großkonzerne sich auf die Suche nach Partnern begeben müssen. Auch hier kommen Finanzinvestoren in Betracht, aber auch regionale Energieversorger, die ebenfalls einen hohen Nachholbedarf in Sachen erneuerbare Energien haben.

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