Dezentrale Energieversorgung per Solarstrom

Aus technischer Sicht ist die Photovoltaik hervorragend geeignet, um eine dezentrale Energieversorgung sicherzustellen. Um eine Photovoltaik Anlage betreiben zu können, genügt grundsätzlich ein Dach mit geeigneter Ausrichtung, der Rest der Anlage findet auch in einem kleinen Keller Platz. Damit wären viele Privathaushalte in der Lage, rein rechnerisch den gesamten Eigenbedarf an Strom abzudecken. Zwei Probleme bleiben allerdings zu lösen: Erstens wird der Strom regelmäßig nicht dann produziert, wenn er benötigt wird. Zweitens wird es zunehmend schwieriger, eine Finanzierung für eine Photovoltaik Anlage zu erhalten. Die DZ-4 GmbH, ein neu gegründetes Startup Unternehmen, verspricht ihren Kunden die Lösung beider Probleme.

Das Konzept

In den USA wird schon länger mit innovativen Finanzierungskonzepten für Photovoltaik Anlagen auf privaten Hausdächern experimentiert. Die grundlegende Idee dieser Konzepte besteht darin, dass der Hauseigentümer die Anlage nicht selbst betreibt, sondern lediglich sein Hausdach zur Verfügung stellt. Finanzierung und Installation der Anlage übernimmt ein Investor, der Kunde bezahlt die Anlage über seine Stromrechnung. Einige Anbieter garantieren dem Kunden dabei sogar, dass seine Gesamtbelastung niemals höher sein wird als seine Energiekosten vor der Installation der Anlage. Ein attraktives Modell, das erwartungsgemäß auf große Nachfrage stieß. Die DZ-4 GmbH plant, ein vergleichbares Modell in Deutschland zu realisieren. Der Kunde muss sich auch in diesem Konzept um nichts kümmern, die gesamte Abwicklung inklusive der Finanzierung der Dachanlage übernimmt DZ-4 für ihn. Dafür zahlt der Kunde seine Stromrechnung an das Unternehmen. Im Gegenzug stellt DZ-4 sicher, dass die Stromversorgung des Kunden auch bei schlechtem Wetter gewährleistet ist. Dazu werden Lieferverträge mit Ökostromanbietern abgeschlossen.

Geplanter Start im Oktober

Noch befindet sich das im Februar gegründete Unternehmen in der Vorbereitungsphase, die Aufnahme des Geschäftsbetriebs ist für Oktober geplant. Gemäß bisheriger Kalkulation werden Kunden mit einem Strompreis rechnen müssen, der etwas 30 % über dem Marktpreis liegt. Dieser Preis wird jedoch für eine lange Frist von zehn Jahren garantiert. Aufgrund rasch steigender Strompreise dürften sich die Verhältnisse daher relativ rasch umkehren. Gegenwärtig machen die Unternehmensgründer Tobias Schütt und Florian Berghausen allerdings die Erfahrung, dass sich die Investorensuche schwierig gestaltet. Die politischen Diskussionen um die Zukunft des EEG sorgen offenbar für Verunsicherung, wenngleich die Gründer versichern, für ihre Kalkulation keine Förderung über das EEG zu benötigen. Bislang waren Banken oft bereit, Photovoltaik Anlagen ohne Eigenkapital und ohne Grundbucheintragungen oder sonstige Sicherheiten zu finanzieren – eine Abtretung der zu erwartenden Einnahmen aus der Einspeisevergütung genügte. Mittlerweile werden die Risiken höher eingeschätzt, die Photovoltaik hat ihren Status als risikofreie Investition mit hoher Rendite eingebüßt.

Kalkulation

Auch das Problem der Stromspeicherung sind die beiden Gründer möglicherweise mit zu großem Optimismus angegangen. Die Kalkulation von DZ-4 beruht auf der Annahme, dass nur 30 Prozent des Stromverbrauchs ihrer Kunden bei Ökostromanbietern zugekauft werden müssen, der Rest wird über die eigene Dachanlage produziert. Dazu bedarf es allerdings leistungsstarker Stromspeicher, die den tagsüber erzeugten Strom bis zum Abend speichern. Eine ausgereifte Speichertechnologie, die für den Alltagseinsatz in der Fläche geeignet ist, ist jedoch bislang nicht zu sehen. Genau die brauchen die Gründer allerdings, denn ihre Kalkulation geht von mindestens 10.000 Kunden aus. Dazu ist nur zu erfahren, dass die Gründer diese Kritik an existierenden Stromspeichern „kennen und auch zulassen“. Hoffentlich werden sie gegenüber den noch zu überzeugenden Investoren konkreter, sonst wird es nicht einfach!