Deutsche Solarindustrie: Probleme durch weltweiten Preisverfall

Die Solarindustrie in Deutschland ist seit den Boomjahren deutlich geschrumpft. Allein von 2011 bis 2012 ist die Zahl der Beschäftigten von 111.000 auf 87.000 gesunken. Der Umsatz brach im selben Zeitraum von fast 12 Milliarden auf 7,3 Milliarden Euro ein. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei hervor.

Preisverfall als Hauptursache

Nach Ansicht der Bundesregierung sind die Einschnitte in die Solarförderung nicht für die Krise der Branche verantwortlich. Als Beleg für diese Hypothese verweist die Regierung darauf, dass der jährliche Zubau der Photovoltaik in Deutschland über mehrere Jahre trotz einer schnell sinkenden Einspeisevergütung konstant geblieben ist. Ursächlich für die Krise sei vielmehr der rapide Preisverfall der Photovoltaikmodule, der auf erhebliche weltweite Überkapazitäten zurückzuführen sei. Gegenwärtig ist die weltweite Produktionskapazität nahezu doppelt so hoch wie die Nachfrage. Insbesondere China hat in den letzten Jahren große Überkapazitäten aufgebaut. Die Bundesregierung geht jedoch nicht auf die Frage ein, wieso der Aufbau neuer Kapazitäten selbst dann nicht zum Stillstand kam, als bereits klar erkennbar war, dass keine Nachfrage nach weiteren Produktionskapazitäten mehr besteht. Offenbar besteht kein Interesse daran, die Frage illegaler Subventionen und die deutsche Ablehnung der von der EU verhängten Strafzölle erneut auf die Tagesordnung zu setzen.

Die Branche gibt sich optimistisch

Irgendwie erinnert die Situation an den Witz vom Manager, der aus dem Fenster eines Hochhauses fällt und feststellt, dass die langfristigen Aussichten hervorragend sind – kurzfristig muss nur mit ein Paar Problemen beim Aufprall gerechnet werden. Die Hiobsbotschaften aus der Solarbranche reißen nicht ab. Ganz aktuell musste das Unternehmen Conergy Insolvenz anmelden und der weltweit renommierte Hersteller von Wechselrichtern SMA den Abbau von 700 Arbeitsplätzen ankündigen. Zur Begründung verweist SMA auf eine bevorstehende „länger anhaltende Konsolidierungsphase der Solarbranche“. Dennoch verbreitet die Branche in ihren offiziellen Stellungnahmen sehr viel Optimismus. Paradoxerweise muss der Preisverfall der Solarmodule nicht nur als Erklärung für die Krise herhalten, sondern auch als Begründung für die optimistischen Zukunftsaussichten. Dieser Preisverfall führe nämlich dazu, dass in immer mehr Ländern die Solarenergie allmählich zur billigsten Stromversorgung werde, was zu einem deutlichen Nachfrageschub führen könnte. Offen bleibt, welche deutschen Hersteller noch übrig sein werden, um von diesem erwarteten Aufschwung zu profitieren. Die Hoffnungen ruhen darauf, sich aufgrund hoher technischer Kompetenz als Anbieter von Komplettlösungen positionieren zu können. Als Standort für die reine Modulproduktion hat Deutschland wohl ausgedient.

Neuen Kommentar schreiben