Bundesnetzagentur erwartet steigende Strompreise durch den Netzausbau

Die Bundesnetzagentur erwartet, dass die Strompreise infolge des erforderlichen Ausbaus des Stromnetzes um fünf bis sieben Prozent steigen werden. Gemeint ist damit der zusätzliche Preisanstieg durch den Netzausbau, andere Kostenfaktoren werden vermutlich zu weiteren Preiserhöhungen führen. Bislang sind die Prognosen noch mit erheblichen Unsicherheiten behaftet, da die Gesamtkosten des Netzausbaus einstweilen nur geschätzt werden können. Noch fehlt eine detaillierte Bedarfsplanung, weswegen die Bundesnetzagentur von einer recht groben Kostenschätzung ausgeht: Zwischen 30 Milliarden und 47,5 Milliarden Euro werden die Kosten voraussichtlich liegen.

Großanlagen als Kostentreiber

Eines der wesentlichen Probleme besteht darin, dass eine ursprüngliche Kalkulation nicht aufgeht: Erneuerbare Energien waren als eine dezentrale Form der Stromerzeugung gedacht – Strom sollte also in der Nähe der Verbraucher produziert werden. Das hätte die Anforderungen an den Ausbau der Weitverkehrsnetze verringert, alternative Energien hätten so die Kosten des Netzausbaus zumindest reduziert. In der aktuellen Planung soll jedoch auch der süddeutsche Strombedarf durch offshore Windparks in der Nordsee gedeckt werden, was mit einer regionalen Stromversorgung nicht mehr das Geringste zu tun hat. Hinzu kommt das seit langem bekannte Problem, dass eine Versorgung durch Wind- oder Solarstrom zwingend zusätzliche Leitungen zu Kraftwerken erfordert, die wetterunabhängig Strom produzieren können. Regenerative Energien erfordern daher erhebliche Netzinvestitionen, weswegen die Bundesnetzagentur vorschlägt, ihnen die Privilegien bei den Netzentgelten zu streichen. Lediglich die grundlastfähigen Biomassekraftwerke sollen davon ausgenommen werden.

Weitere Kostenfaktoren für die Stromkunden

Im Zuge der Energiewende sollen auch erste Schritte in Richtung eines intelligenten Netzes unternommen werden, bei dem einzelne Verbraucher zu Spitzenlastzeiten vom Energieversorger zentral abgeschaltet werden können. Unternehmen, die einer solchen Regelung zustimmen, sollen dafür eine Entschädigung erhalten. Auch diese Zahlungen werden sich auf den Strompreis auswirken. Auch die Lösung des 50,2 Hz Problems wird Kosten verursachen, die nach bisheriger Planung ebenfalls zur Hälfte über die Netzentgelte aufgebracht werden sollen. Alte Photovoltaikanlagen schalten sich automatisch ab, wenn die Netzfrequenz 50,2 Hz erreicht. Aufgrund der ständig wachsenden Gesamtleistung ist dieser Weg nicht mehr gangbar, weswegen die Anlagen auf intelligentere Wechselrichter umgerüstet werden müssen. Schließlich wird sich auch die sehr großzügige Praxis der Bundesregierung bei der Befreiung von Netzentgelten für energieintensive Unternehmen kostensteigernd auswirken. Solche Unternehmen werden auf Antrag ganz oder teilweise von den Netzentgelten befreit, die Kosten werden auf alle übrigen Verbraucher umgelegt. Auf diese Weise soll die internationale Wettbewerbsfähigkeit gewahrt bleiben. Ursprünglich war diese Regelung für Branchen wie die Aluminium- oder Stahlindustrie gedacht, deren immenser Stromverbrauch aus physikalischen Gründen nicht wesentlich reduziert werden kann. Inzwischen versucht nahezu jedes Unternehmen sein Glück mit einem solchen Befreiungsantrag, das höhere Stromkosten hat. Oft genug mit Erfolg.

Neuen Kommentar schreiben