BDEW legt Fahrplan für die Einführung intelligenter Netzsteuerungen vor

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat seine Vorstellungen des Umbaus des Stromnetzes zu einem Smart Grid skizziert. Nach den Plänen des BDEW soll die konkrete Einführung intelligenter Netzsteuerungen in den Jahren 2018 bis 2022 erfolgen. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass zunächst die Rahmenbedingungen für diese Investitionen geschaffen werden.

Forderungen an die Politik

Die Forderungen des BDEW an die Politik lassen sich unter dem Oberbegriff „Investitionssicherheit“ zusammenfassen. Da die Netzbetreiber der Regulierung durch die Bundesnetzagentur unterliegen, treibt den BDEW offenbar die Sorge um, für die Dienstleistungen eines Smart Grids keine marktgerechten Preise erzielen zu können. Erste Voraussetzung sei daher ein regulatorsicher Rahmen, der langfristige Planungssicherheit biete. Daneben werden verbindliche technische Standards und Normen angemahnt. Dies sicherlich zu Recht. Ähnlich wie im Internet müssen verbindliche technische Vorgaben dafür sorgen, dass Geräte verschiedener Hersteller miteinander kommunizieren können. Dass zu den Forderungen auch eine öffentliche Förderung der Forschung und Entwicklung auf diesem Gebiet gehört, versteht sich beinahe von selbst.

Erfahrungen in Modellversuchen

Erste Feldversuche mit Smart Grids wurden beziehungsweise werden bereits durchgeführt, beispielsweise das Forschungsprojekt „Modellstadt Mannheim“. Hier wurde für die Testhaushalte ein Stromtarif eingeführt, der in lastschwachen Zeiten besonders günstige Strompreise vorsah. Ermöglicht wurde das durch intelligente Stromzähler, eine Fernsteuerung einiger stromintensiver Geräte und ein webbasiertes Tool, mittels dessen sich die Testkunden ständig über ihren Stromverbrauch und ihre Einsparungen informieren konnten. Dieser und ähnliche Tests verliefen erfolgreich. Es konnte nicht nur ein Teil des Stromverbrauchs in Zeiten geringer Nachfrage verschoben werden, sondern auch der Gesamtverbrauch gesenkt werden. Eine Lehre konnte aus diesen Versuchen bereits gezogen werden: Die Idee, einzelne Geräte in Haushalten via Internet zu steuern, hat sich als nicht optimal erwiesen. Als besser hat sich die Variante herausgestellt, die Geräte über eine Energiesteuerungseinheit in jedem Haushalt zu regeln. Der Netzbetreiber kommuniziert dann nur noch mit dieser zentralen Steuerung, nicht mehr mit jedem Gerät.

Offene Fragen

Eine wichtige offene Frage betrifft die Sicherheit von Smart Grids. Wenn Stromnetze neben Strom auch Daten transportieren, sind sie potenzielle Ziele für Cyberangriffe. Als Versorgungsinfrastruktur der höchsten Prioritätsstufe müssen sie gleiche diesbezügliche Sicherheitsstandards erfüllen wie beispielsweise Kernkraftwerke oder Rechenzentren von Banken. Noch ist unklar, wie das bei einem über das gesamte Land – oder den ganzen Kontinent – verteilten System aus unzähligen Steuerungskomponenten gewährleistet werden soll. Ein zweites Problem betrifft die Spreizung der Strompreise, wenn diese dem Markt überlassen bleiben. Internationale Erfahrungen mit derartigen zeitabhängigen Tarifen zeigen, dass der Strom in Zeiten hohen Bedarfs bis zu viermal teurer wird als zu Zeiten geringen Bedarfs. Einkommensschwache Haushalte sind teilweise gezwungen, ihren Tagesablauf vollständig den Vorgaben des Stromversorgers anzupassen.