Photovoltaikanlagen: Ertragsverlust ermitteln mit App

Das Unternehmen SolarPLUS Cleaning aus Dessau ist auf die Reinigung von Photovoltaikanlagen spezialisiert. Als erster deutscher Anbieter stellt das Unternehmen jetzt eine App zur Verfügung, mit der verschmutzungsbedingte Ertragsverluste ermittelt werden können. Das Programm steht im App-Store kostenlos zur Verfügung, Systemvoraussetzung ist iOS 6.0 oder höher.

Standortdaten werden berücksichtigt

Zur Ermittlung der Leistungsverluste werden die Daten des jeweiligen Standortes der Anlage berücksichtigt. Nicht nur die regionale Sonnenscheindauer fließt in die Berechnung ein, sondern beispielsweise auch ein erhöhtes Verschmutzungsrisiko durch eine landwirtschaftlich geprägte Umgebung. In Einzelfällen kann nach Angaben des Anbieters durch eine rechtzeitige Reinigung der Anlage der Ertrag um bis zu 30 Prozent gesteigert werden. Typisch dürften eher etwa fünf bis zehn Prozent sein, sofern nicht eine ohnehin sofort sichtbare massive Verschmutzung vorliegt.

Werbung oder Information?

Leider wird aus der Beschreibung des Programms nicht einmal ansatzweise klar, was es überhaupt tut. Fest steht nur, dass die App als Ergebnis den mutmaßlichen jährlichen Ertragsverlust der Anlage durch Verschmutzung ausgibt. Wie diese Zahl berechnet wird, bleibt im Dunkeln. Das Programm erfordert nur wenige Angaben, die eigentlich zu diesem Zweck nicht ausreichen. Neben dem Standort der Photovoltaikanlage und dem Jahr der Inbetriebnahme wird die Nennleistung abgefragt. Zusätzlich wird abgefragt, ob es sich um eine Dachanlage oder eine Freiflächenanlage handelt. Schließlich wird auch noch abgefragt, ob es sich um eine private Anlage handelt, eine Anlage eines landwirtschaftlichen Betriebs oder eine Anlage eines sonstigen Gewerbebetriebs. Was aber ist zum Beispiel der Unterschied zwischen dem Dach eines Gewerbebetriebs und dem Dach eines Wohnhauses? Wird diese Information zur Ermittlung des Ertragsverlustes wirklich benötigt? Zu fragen wäre auch, wozu der Name des Anlagenbetreibers erforderlich ist.

Skepsis scheint angebracht

Insgesamt hinterlässt die App einen mehr als faden Beigeschmack. Das mag daran liegen, dass weder die Presseinformation des Anbieters noch die Produktbeschreibung im App-Store irgendwelche brauchbaren Informationen dazu enthalten, wie diese App eigentlich arbeitet. Es scheint, als würden nicht einmal reale Ertragsdaten ausgewertet. Falls die App mehr kann, als es bislang der Fall zu sein scheint, sollte der Anbieter seine Informationspolitik dringend überarbeiten. Nach jetziger Informationslage sammelt das Programm lediglich Daten, die der Anbieter für sein Direktmarketing nutzen kann, und gibt eine mehr oder minder freihändig geratene Zahl zum jährlichen Ertragsverlust aus, um sich als halbwegs sinnvolle App zu tarnen. Abstruse Aussagen wie „Es werden standortspezifische Daten zur Berechnung des möglichen Jahresverlustes durch Emissionen in Form von Verschmutzungen der Moduloberfläche ermittelt“ sind wenig geeignet, das Vertrauen zu stärken.

Bildquelle: Apple App Store